Wenn die Pilzmahlzeit zum Notfall wird

(Bild: 36106/Shutterstock)Ulm (lse) – Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen nach einer Pilzmahlzeit können vergleichsweise unspezifisch wirken. Für den Rettungsdienst ist jedoch entscheidend, eine mögliche Pilzvergiftung frühzeitig in Betracht zu ziehen.

Pilzvergiftungen sind zwar keine alltäglichen Notfälle für den Rettungsdienst, treten in diesen Wochen und Monaten aber verstärkt auf. Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) beantworten die Giftinformationszentren der Länder jedes Jahr einige tausend Anfragen zu Pilzen. Selbst erfahrene Sammler können giftige mit essbaren Arten verwechseln. Für Einsatzkräfte besteht eine Schwierigkeit darin, dass Beschwerden zunächst unspezifisch sein oder verzögert auftreten können.

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Knollenblätterpilz: geringe Mengen können tödlich sein

Besondere Aufmerksamkeit verdient der Grüne Knollenblätterpilz (Amanita phalloides). Er gehört zu den giftigsten heimischen Pilzen und kann beispielsweise mit Wiesenchampignons oder Täublingen verwechselt werden. Bereits geringe Mengen können eine lebensbedrohliche Vergiftung auslösen.

Verantwortlich dafür ist unter anderem Alpha-Amanitin. Das Gift kann insbesondere die Leber schwer schädigen und ein akutes Organversagen verursachen. Pilzvergiftungen können zudem mit Nierenversagen einhergehen. In schweren Fällen kann eine Lebertransplantation erforderlich werden. Kinder und ältere Menschen gelten als besonders gefährdet.

Tückisch ist der zeitliche Verlauf: Beim Grünen Knollenblätterpilz können erste Symptome erst mehrere Stunden nach dem Verzehr auftreten. Zu diesem Zeitpunkt haben sich die Giftstoffe nach Angaben der Deutschen Leberstiftung bereits im Körper verteilt. Eine zunächst symptomarme Phase nach einer verdächtigen Pilzmahlzeit schließt eine gefährliche Intoxikation daher nicht aus.

Für den Rettungsdienst ist eine genaue Anamnese entsprechend wichtig: Wann wurden die Pilze verzehrt? Waren sie selbst gesammelt? Wann begannen die Beschwerden? Haben weitere Personen von derselben Mahlzeit gegessen? Mitesser sollten über das mögliche Risiko informiert und auch bei bislang fehlenden Symptomen ärztlich untersucht werden.

Beschwerden nicht immer durch Giftpilze

(Bild: Lars Schmitz-Eggen)Beschwerden nach Pilzverzehr müssen nicht zwingend auf einen Giftpilz zurückzuführen sein. Die Deutsche Leberstiftung unterscheidet zwischen „echten“ Vergiftungen durch Giftpilze und „unechten“ Vergiftungsreaktionen, die beispielsweise durch falsch gelagerte oder unsachgemäß zubereitete Speisepilze entstehen können. Auch rohe Speisepilze können laut BfR Unverträglichkeitsreaktionen hervorrufen. Gastrointestinale Beschwerden nach einer Pilzmahlzeit erlauben deshalb zunächst keine sichere Aussage über Ursache und Schwere der Intoxikation.

Ein weiteres Pilzgift ist Muscarin. Hohe Konzentrationen kommen beispielsweise im Ziegelroten Risspilz (Inocybe erubescens) vor, der mit dem beliebten Maipilz verwechselt werden kann. Eine Vergiftung kann potenziell tödlich verlaufen. Auch der Rinnigbereifte Trichterling (Collybia rivulosa) enthält große Mengen Muscarin.

Pilz-, Speise- und Erbrochenesreste sichern

Bei einer vermuteten Pilzvergiftung können Pilz- und Speisereste diagnostisch wertvoll sein. Auch Erbrochenes kann wichtige Hinweise liefern. Laut BfR können entsprechende Proben unter anderem zur Bestimmung der Pilze einschließlich einer Sporenanalyse herangezogen werden. Material, das Aufschluss über die verzehrten Pilze geben könnte, sollte nicht entsorgt, sondern nach Möglichkeit vom Rettungsdienst gesichert und in die aufnehmende Klinik mitgenommen werden.

Frühzeitig toxikologische Expertise einbeziehen

Bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung sollte frühzeitig ein Giftinformationszentrum kontaktiert werden. Die Zentren können bei der toxikologischen Einschätzung unterstützen und gegebenenfalls Kontakte zu Fachleuten vermitteln, die bei der Identifizierung des Pilzes helfen.

Von eigenmächtigen Therapieversuchen ist abzuraten. Insbesondere sollte Erbrechen nicht absichtlich ausgelöst werden, da Erbrochenes in die tiefen Atemwege gelangen kann. Auch Milch ist keine geeignete Maßnahme: Sie kann die Aufnahme bestimmter Giftstoffe fördern.

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