(Bild: Janika Kamm/Bergwacht Schwarzwald)Ulm (lse) – Drohnen sind im Bevölkerungsschutz zunehmend etablierte Einsatzmittel. Zugleich erweitert sich ihr Aufgabenspektrum deutlich. Die Eröffnung des Technologiezentrums für Drohnensicherheit am DLR-Standort Cochstedt am 18. August 2026 unterstreicht diese Entwicklung.
Die Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (vfdb) und das Deutsche Rettungsrobotik-Zentrum (DRZ) nehmen die Eröffnung in Cochstedt zum Anlass, einen breiteren Ansatz bei Innovationen für den Bevölkerungsschutz zu fordern. Das Zentrum steht aus ihrer Sicht beispielhaft für Reallabore, in denen Forschung, technologische Innovation und Anforderungen der Sicherheitsbehörden zusammengeführt werden.
Dabei geht es nicht allein um Drohnen. Unbemannte Luft- und Bodensysteme, Robotik und Künstliche Intelligenz können Einsatzkräfte schon heute unterstützen. Genannt werden unter anderem Lagebilder, Schadstoffmessungen und die Erkundung von Bereichen, die wegen Explosionen, Einsturzgefahr, Überflutungen oder Strahlenquellen lebensgefährlich sind. Der Ansatz besteht nicht darin, Einsatzkräfte zu ersetzen, sondern Menschen aus Gefahrenzonen herauszuhalten und die Fähigkeiten von THW, Feuerwehren und Hilfsorganisationen zu erweitern.
Das Problem liegt nach Einschätzung von vfdb und DRZ vor allem im Übergang von der Entwicklung in den regulären Einsatz. Erfolgreiche Demonstratoren würden häufig weder beschafft noch in Ausbildung und Einsatz integriert. Die Organisationen fordern deshalb einen durchgängigen Transferprozess: von der Bedarfsermittlung über Entwicklung, realitätsnahe Erprobung und Validierung bis zu Standardisierung, Beschaffung und Qualifizierung. Einsatzorganisationen, Wissenschaft, Industrie und Start-ups müssten dafür dauerhaft zusammenarbeiten.
Im Zusammenhang mit dem vom Bundeskabinett beschlossenen Pakt für den Bevölkerungsschutz fordern vfdb und DRZ deshalb eine eigenständige, mit einem eigenen Budget ausgestattete Säule „Innovation und Technologietransfer“. Die bis 2029 vorgesehenen zehn Milliarden Euro sollten nach ihrer Auffassung nicht ausschließlich der Modernisierung bestehender Ausstattung dienen, sondern auch neue Fähigkeiten schaffen.
Zuständigkeit für BOS-Drohnen wechselt zum LBA
Die technologische Entwicklung trifft auf eine Neuordnung der Zuständigkeiten auf Bundesebene. Seit Dezember 2025 hat das Luftfahrt-Bundesamt (LBA) Aufgaben zum Einsatz von Drohnen im Bevölkerungsschutz vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) übernommen. Hintergrund ist die Neuausrichtung des BBK aus dem Jahr 2024.
Zu den übertragenen Aufgaben gehören die Weiterführung und regelmäßige Überarbeitung der „Empfehlungen für Gemeinsame Regelungen zum Einsatz von Drohnen im Bevölkerungsschutz“ (EGRED 2), die Organisation anlassbezogener Konferenzen des Expertenkreises und die Funktion als Ansprechpartner für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) bei Fragen zum Betrieb unbemannter Luftfahrtsysteme. Außerdem nimmt das LBA an den Sitzungen des BOS-Arbeitskreises zum Betrieb von unbemannten Luftfahrtsystemen teil.
Die EGRED sollen Einsatzkräften praxisnahe Handlungsempfehlungen für den sicheren Drohnenbetrieb geben. Dazu gehören Mindeststandards zu Rechtsaspekten, Risikomanagement und Ausbildung. Gerade bei großen und komplexen Schadenslagen sollen sie die organisationsübergreifende Zusammenarbeit erleichtern und Risiken für Einsatzkräfte und Bevölkerung reduzieren.
Lastendrohne verändert die Einsatzlogistik
(Bild: Janika Kamm/Bergwacht Schwarzwald)Wie schnell sich neben den organisatorischen Rahmenbedingungen auch die technischen Möglichkeiten entwickeln, zeigt ein Innovationsprojekt der Bergwacht Schwarzwald. Seit Mai 2026 betreibt sie eine Lastendrohne vom Typ DJI FlyCart 100. Das System besitzt eine Tragfähigkeit von bis zu 100 Kilogramm und gehört nach Angaben der Bergwacht zu den ersten Drohnen dieser Klasse, die in Deutschland bei BOS eingesetzt werden.
Der Sprung bei der möglichen Nutzlast erfolgte innerhalb kurzer Zeit. Noch im Herbst 2025 wurden beim Schwarzwälder Drohnenforum Modelle mit einer Nutzlast von 30 Kilogramm vorgestellt. Wenige Monate später ermöglichten leistungsstärkere Akkus bereits den Transport von bis zu 100 Kilogramm. Nach Einschätzung der Bergwacht wird die Lastendrohne damit zu einer realistischen Ergänzung klassischer Einsatzmittel im Bergrettungsdienst und Katastrophenschutz.
Transportmittel für den Katastrophenschutz
Die Bergwacht erprobt das System zugleich mit Blick auf den Katastrophenschutz. Bei abgeschnittenen Gebieten oder zerstörter Infrastruktur könnten Lastendrohnen beispielsweise medizinisches Material, Versorgungsgüter oder technische Ausrüstung transportieren. Als mögliche Szenarien nennt die Organisation Erdrutsche, Sturmereignisse oder starken Schneefall, durch die Transportwege für Rettungskräfte unpassierbar werden.
Die Anschaffung wurde aus Katastrophenschutzmitteln des Landes Baden-Württemberg finanziert, die für innovative Projekte bereitgestellt werden. Das Projekt befindet sich derzeit in einer intensiven Testphase. Nach Angaben der Bergwacht zeigen die ersten Testflüge bereits das Potenzial des Systems sowie eine Entlastung der Einsatzkräfte.