Kindernotfälle: Neue Projekte für die Jüngsten

(Bild: Kzenon/Shutterstock)Ulm (lse) – Rund 29.270 Kinder unter 15 Jahren sind 2025 im deutschen Straßenverkehr verunglückt – 7 Prozent mehr als im Vorjahr. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) wurde damit durchschnittlich alle 18 Minuten ein Kind bei einem Verkehrsunfall verletzt oder getötet. Die Zahl der getöteten Kinder stieg von 53 im Jahr 2024 auf 74 im vergangenen Jahr.

Die Unfallarten unterscheiden sich deutlich nach Alter. Unter 6-Jährige verunglückten besonders häufig als Mitfahrende im Auto; auf sie entfielen 55 Prozent der Verunglückten dieser Altersgruppe. Bei den 6- bis 14-Jährigen war dagegen das Fahrrad mit 39 Prozent das häufigste Verkehrsmittel.

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Für die präklinische Versorgung können schwere Kindernotfälle besondere Anforderungen bedeuten. Zwei aktuelle Projekte zeigen unterschiedliche Ansätze, pädiatrische Expertise im Rettungsdienst gezielt verfügbar zu machen.

Spezialteam fährt zum Einsatzort

Wie groß der Bedarf an spezialisierter Unterstützung sein kann, zeigt die erste Bilanz des Kindernotarzt-Teams am Klinikum Leverkusen. Seit Ende April rückt dort ein Spezialteam mit einem von der Björn Steiger Stiftung zur Verfügung gestellten Einsatzfahrzeug zu Kindernotfällen aus. In den ersten 100 Tagen wurde es bereits 45-mal eingesetzt. Dabei versorgten die Fachleute unter anderem junge Patientinnen und Patienten mit sehr schweren Verletzungen; in mehreren Fällen waren Wiederbelebungsmaßnahmen erforderlich.

(Bild: Klinikum Leverkusen)42-mal fuhr das Team direkt zu einem Notfallort und unterstützte dort den regulären Rettungsdienst mit pädiatrischem Fachwissen. Drei weitere Einsätze waren intensivmedizinisch begleitete Verlegungen zwischen Kliniken. Besetzt wird das Team mit einer Oberärztin oder einem Oberarzt für Kinder- und Jugendmedizin mit Zusatzweiterbildung Notfallmedizin sowie einer speziell qualifizierten Pflegefachkraft. Zehn Mitarbeitende des Klinikums gehören derzeit zum Personalpool. Alarmiert wird das Team bei Bedarf über die Leitstelle der Feuerwehr Leverkusen.

Bemerkenswert ist der Einsatzradius. 14 der Einsätze führten über Leverkusen hinaus: dreimal in den Rheinisch-Bergischen Kreis, viermal in den Kreis Mettmann und siebenmal nach Köln. Nach Einschätzung des Klinikums könnten die Einsatzzahlen weiter steigen, wenn sich das Angebot stärker etabliert.

Hinzu kommt eine bislang nicht gedeckte Nachfrage. Das Kindernotarzt-Team steht derzeit montags bis freitags von 7.30 bis 15.30 Uhr bereit. Außerhalb dieser Zeiten gingen innerhalb der ersten 100 Tage Anfragen für 26 weitere Einsätze ein, die das Team hätte übernehmen können. Ein Ausbau ist allerdings von zusätzlicher finanzieller Unterstützung abhängig. Das Kindernotarzt-Team wird nicht von den Krankenkassen refinanziert. Die Björn Steiger Stiftung stellt das Fahrzeug zur Verfügung und übernimmt während der zunächst zweijährigen Projektdauer dessen Betriebskosten, während das Klinikum die Personalkosten trägt.

Pädiatrische Expertise per Telemedizin

Einen anderen Weg wählen die DRF Luftrettung und das Universitätsklinikum Tübingen. Mit „Helipaed“ haben sie Ende August ein gemeinsames Pilotprojekt gestartet, das die Versorgung kritisch kranker und schwer verletzter Kinder in der Luftrettung verbessern soll. Pilotstandorte sind die DRF-Luftrettungsstationen in Friedrichshafen, Stuttgart und Villingen-Schwenningen. Zu den Bausteinen gehören eine telemedizinische Infrastruktur, Qualifizierungs- und Schulungsmaßnahmen sowie eine standardisierte Ausrüstung der Hubschrauber für die Versorgung von Kindern.

Der Ansatz trägt einer Besonderheit von Kindernotfällen Rechnung: Auch für erfahrene notfall- und intensivmedizinische Besatzungen können besondere Einsatzsituationen sowie Kinder mit komplexen Vorerkrankungen einen sehr speziellen Versorgungsbedarf mit sich bringen. Helipaed soll es deshalb ermöglichen, erfahrene pädiatrische Spezialisten hinzuzuziehen. Ein Schwerpunkt liegt auf Interhospitaltransporten kritisch kranker Kinder, bei denen die Spezialisten Entscheidungen zur Stabilisierung, zum Transport und zur weiteren Therapie unterstützen sollen.

(Bild: DRF Luftrettung)Die telemedizinische Begleitung ist dabei nicht auf einzelne Phasen beschränkt. Spezialisten der Universitäts-Kinder- und Jugendklinik Tübingen sollen die Crews der DRF Luftrettung von der Einsatzvorbereitung über die Versorgung vor Ort bis zum Transport und zur Nachbereitung unterstützen können. Ergänzend sind gezielte Schulungen, eine standardisierte kindgerechte Ausstattung und geführte Einsatznachbesprechungen vorgesehen. Die während der Versorgung erhobenen Daten sollen zudem lückenlos digitalisiert werden.

Damit soll pädiatrisches Spezialwissen auch dort verfügbar werden, wo kein Kindernotarzt unmittelbar zur Verfügung steht. Nach Angaben der Projektpartner wird mit Helipaed erstmals die Möglichkeit geschaffen, das spezielle Wissen und die Erfahrung von Kindernotfall- und Intensivmedizinern zeit- und ortsunabhängig direkt einzubinden.

An den drei Pilotstationen wurde in einem ersten Schritt bereits die Ausstattung der Hubschrauber vereinheitlicht und an die Versorgung schwerstkranker Kinder mit komplexen Erkrankungen angepasst. Für Anfang 2027 sind simulationsgestützte Schulungen der medizinischen Besatzungen vorgesehen. Parallel soll ein überregionales telemedizinisches Konzept aufgebaut werden. Langfristiges Ziel ist es, Helipaed zu einem Modell für eine bundesweite Regelversorgung zu entwickeln.

 

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