Neue Studie: Zusammenhang von Blutdruck und Hirndurchblutung
(Bild: umg/samer al mhethawi)Göttingen (UMG/DRF) – In einem internationalen Kooperationsprojekt unter Leitung der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) werden verschiedene Blutdruckmessverfahren in der luftgebundenen Notfallversorgung miteinander verglichen. Die Verfahren werden zur Überprüfung der Durchblutung des Gehirns kritisch kranker Patienten eingesetzt. Ziel ist es einerseits, Risikopatienten früher zu erkennen. Andererseits möchte man die Behandlung am Einsatzort gezielter steuern.
Eine genaue und kontinuierliche Beobachtung von Blutfluss und Herz-Kreislauf-Funktionen sind bei der Erstversorgung von Notfallpatienten essenziell für die Einleitung und Steuerung lebensrettender Maßnahmen. Insbesondere der Blutdruck stellt hierbei eine zentrale Zielgröße dar. Allerdings bilden herkömmliche Blutdruckmessverfahren die Hirndurchblutung nur indirekt ab. Bei den Verfahren wird entweder von außen mit einer sich aufpumpenden Oberarmmanschette oder von innen mit einem Katheter gearbeitet, der in eine Schlagader geschoben wird.
Gerade bei Patienten mit lebensbedrohlichem Zustand kann das Herz-Kreislauf-System beeinträchtigt sein und das Blut nicht mehr ausreichend durch den Körper pumpen. Dies hat zur Folge, dass der gemessene Blutdruck nicht zuverlässig anzeigt, ob das Gehirn ausreichend durchblutet wird.
(Bild: DRF Luftrettung)Oftmals kommt bei diesen Notfallpatienten ein Rettungshubschrauber für den schnellen, schonenden Transport ins Krankenhaus zum Einsatz. Aus diesem Grund kooperiert die Klinik für Anästhesiologie der Universitätsmedizin Göttingen mit der DRF Luftrettung. Wissenschaftler der UMG untersuchen bei ihrem Projekt, wie zuverlässig der gemessene Blutdruck die tatsächliche Durchblutung bzw. die mögliche Sauerstoffversorgung des Gehirns widerspiegelt.
Neben herkömmlichen Blutdruckmessverfahren kommt bei dem Projekt eine spezielle Ultraschalluntersuchung, die Doppler-Sonografie, zum Einsatz. Hierbei muss kein Schallkopf gehalten werden, der Sensor wird stattdessen direkt auf den Hals geklebt. Dieser Sensor ermöglicht erstmals eine kontinuierliche Messung des Blutflusses in der Halsschlagader und somit eine zuverlässige Überwachung der Hirndurchblutung während des gesamten Rettungseinsatzes bis zur Übergabe in der Zielklinik.
Ziel der Studie ist es, die verschiedenen Messverfahren miteinander zu vergleichen. Hierfür werden systematisch Daten zur Beziehung zwischen der Durchblutung des Gehirns und dem Blutdruck erhoben.
„Mit der Studie wollen wir herausfinden, ob uns die zusätzliche Doppler-Messung dabei hilft, Risikopatientinnen und -patienten früher zu erkennen und die Behandlung am Einsatzort noch gezielter zu steuern“, sagt der Leiter der Studie, Dr. Claudius Balzer, Facharzt für Anästhesiologie in der Klinik für Anästhesiologie der UMG und Notarzt bei der DRF Luftrettung.
In das Projekt sind bundesweit sechs Standorte der DRF Luftrettung eingebunden, an denen die Daten unter realen Einsatzbedingungen gesammelt werden.
Einbezogen werden erwachsene Notfallpatienten, die aufgrund folgender kritischer Erkrankungen versorgt werden müssen:
• Wiederbelebung nach Herz-Kreislauf-Stillstand
• gleichzeitige und schwere Verletzung verschiedener Körperregionen oder Organe und Schockzustand
• eine Verletzung des Schädelknochens und/oder des Gehirns
eine Hirnblutung oder
• ein lebensbedrohlicher Riss in der Hauptschlagader
Die „Doppler-Perfusions-Studie in der luftgebundenen Notfallmedizin“, kurz DOPE-HEMS, wird von der DRF Stiftung über einen Zeitraum von zwei Jahren gefördert und ist am 1. Juli 2026 gestartet.
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