Verkehrsunfälle bleiben Hauptursache schwerer Verletzungen

(Bild: Canetti/Shutterstock)Berlin (DGOU/DGU/DGKL) – Rund die Hälfte aller Schwerverletzten in Deutschland verunglückt im Straßenverkehr. Besonders häufig betroffen sind Kopf, Brustkorb und Extremitäten. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) anlässlich des Tags der Verkehrssicherheit am 20. Juni 2026 hin. Grundlage sind Auswertungen des TraumaRegister DGU, das jährlich etwa 25.000 schwer verletzte Patienten erfasst.

„Wir versorgen täglich schwerstverletzte Patientinnen und Patienten nach Verkehrsunfällen und entwickeln die Unfallversorgung kontinuierlich weiter. Trotz aller Fortschritte in der Medizin bleibt entscheidend, dass schwere Unfälle gar nicht erst passieren“, sagt Prof. Dr. Frank Hildebrand, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) sowie der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU).

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Kopf und Brustkorb besonders kritisch

Nach Angaben der Fachgesellschaft unterscheiden sich die Verletzungsmuster je nach Art der Verkehrsteilnahme deutlich. Radfahrende erleiden bei schweren Unfällen besonders häufig Kopfverletzungen. Motorradfahrende sind überdurchschnittlich oft von Verletzungen des Brustkorbs, der Arme und des Beckens betroffen. Autoinsassen seien durch moderne Fahrzeugstrukturen zwar besser geschützt, dennoch bleibe der Brustkorb eine häufig verletzte Körperregion. Besonders gefährdet seien ungeschützte Verkehrsteilnehmende wie Radfahrer, E-Scooter-Nutzer und Fußgänger. Sie erlitten überdurchschnittlich häufig Mehrfachverletzungen.

„Kopf- und Brustverletzungen sind deshalb so kritisch, weil hier lebenswichtige Organe betroffen sind, etwa Gehirn, Herz und Lunge. Schwere Verletzungen in diesen Bereichen führen besonders häufig zu lebensbedrohlichen Zuständen“, erklärt Privatdozent Dr. Christopher Spering, Leiter der DGOU-Sektion Prävention.

Neben den unmittelbar lebensbedrohlichen Verletzungen rücken die Unfallchirurgen auch die Folgen schwerer Extremitätenverletzungen in den Blick. Diese könnten in Kombination mit weiteren Verletzungen lebensbedrohlich werden und den gesamten Behandlungsverlauf beeinflussen. Zugleich hätten sie häufig langfristige Konsequenzen für Mobilität, Arbeitsfähigkeit und Lebensqualität der Betroffenen.

(Bild: DGU)

Schwerverletzte sind nur die Spitze der Statistik

Die Zahlen des TraumaRegister DGU bilden ausschließlich Patienten mit lebensbedrohlichen Verletzungen ab, die lebend eine Klinik erreichen. Jährlich werden dort rund 25.000 Schwerverletzte dokumentiert. Darunter befinden sich neben Verkehrsunfallopfern auch Patienten nach schweren Stürzen oder anderen Unfallereignissen.

Die amtliche Straßenverkehrsunfallstatistik weist dagegen mehr als 350.000 Verletzte pro Jahr aus. Sie umfasst auch leicht verletzte Personen sowie Verkehrstote, die entweder an der Unfallstelle oder innerhalb der ersten 30 Tage nach dem Unfall versterben.

TraumaNetzwerke auch für Krisenszenarien gefragt

Wie wichtig funktionierende Versorgungsstrukturen für Schwerverletzte sind, zeigt nach Einschätzung der DGOU nicht nur der Alltag auf Deutschlands Straßen. Anfang März beteiligten sich die regionalen TraumaNetzwerke Berlin und Brandenburg an der NATO-Bündnisfall-Übung „Medic Quadriga 2026“. Gemeinsam mit dem Sanitätsdienst der Bundeswehr und zivilen Kliniken wurde dabei die Versorgungskette vom Einsatzgebiet bis in deutsche Traumazentren trainiert. Ziel war es, die Zusammenarbeit zwischen militärischen und zivilen Strukturen unter realitätsnahen Bedingungen zu erproben.

„Wir bringen unsere langjährige Erfahrung aus der zivilen Schwerverletztenversorgung gezielt in die NATO-Bündnisfall-Übung ein“, erklärte DGOU- und DGU-Präsident Frank Hildebrand. Die Übung habe gezeigt, welche Bedeutung eingespielte Netzwerkstrukturen bei einem hohen Patientenaufkommen besitzen. Nach Angaben der DGOU könnten in einem entsprechenden Szenario täglich bis zu 1.000 Verwundete nach Deutschland verlegt werden. Die Verteilung auf geeignete Kliniken erfolge dabei über die Strukturen der TraumaNetzwerke DGU mit ihren zertifizierten Traumazentren.

Schnelle Diagnostik bleibt entscheidend

Neben der präklinischen Versorgung und der unfallchirurgischen Behandlung spielt auch die Labordiagnostik eine zentrale Rolle bei der Versorgung Schwerverletzter. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL) sollten Ergebnisse von Notfalluntersuchungen in der Regel spätestens nach 60 Minuten vorliegen. Welche Parameter bestimmt werden, hängt von Art und Schwere der Verletzungen ab. Bei Verdacht auf Blutungen oder Polytraumata gehören unter anderem Blutbild, Gerinnungswerte, Schockparameter und Blutgasanalysen zu den wichtigen Untersuchungen.

Bereits im Rettungswagen oder Rettungshubschrauber können erste Sofortdiagnostiken durchgeführt werden. Als Beispiel nennt die DGKL die Bestimmung des Blutzuckers. Für die weitere Versorgung ist anschließend entscheidend, dass die Dringlichkeit der Untersuchungen durch die behandelnde Klinik an das Labor übermittelt wird. Nur so können kritische Befunde schnell bereitgestellt und therapeutische Entscheidungen zeitnah getroffen werden.

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