Wenn die Hitze zur Großschadenslage wird
(Bild: Sibrapid/Shutterstock)Ulm (lse) – Längere Hitzeperioden gelten inzwischen als das größte klimabedingte Gesundheitsrisiko in Deutschland. Fachgesellschaften, Hilfsorganisationen und Verbände des Gesundheitswesens warnen vor Szenarien, in denen Rettungsdienste überlastet, Notaufnahmen überfüllt und Pflegeeinrichtungen evakuiert werden müssen. Mehr als 150 Organisationen fordern deshalb, Hitzeschutz verbindlich in Krisenvorsorge und Katastrophenschutz zu verankern.
Für den Rettungsdienst sind Hitzewellen längst keine Randerscheinung mehr. Sie führen zu einer Zunahme von Kreislaufnotfällen, Dehydrierungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und neurologischen Akuterkrankungen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, chronisch Kranke, Pflegebedürftige sowie Personen mit neurologischen oder kardiovaskulären Vorerkrankungen.
Dehydrierung, Kreislaufversagen und Hitzschlag
Zu den typischen hitzebedingten Notfällen gehören Herz-Kreislauf-Probleme und Hitzeschlag. Nach Angaben der Johanniter wurden allein im Jahr 2024 mehr als 3.000 hitzebedingte Sterbefälle in Deutschland registriert. Hinzu komme eine Vielzahl medizinischer Notfälle infolge hoher Temperaturen.
Die Johanniter weisen auch darauf hin, dass Erbrechen, Bewusstseinstrübung, Teilnahmslosigkeit, Bewusstlosigkeit oder ein Kreislaufkollaps auf einen lebensbedrohlichen Hitzschlag hindeuten können.
Erste Hilfe bei schweren Hitzeerkrankungen
Bei Verdacht auf Hitzschlag oder andere schwere Hitzeerkrankungen sollte die betroffene Person umgehend aus der Hitze gebracht werden. Die Johanniter empfehlen einen schattigen oder kühlen Aufenthaltsort sowie eine Lagerung mit erhöhtem Oberkörper. Zudem sollte unverzüglich der Rettungsdienst alarmiert werden. Bereits bei ersten Symptomen einer Hitzeerkrankung raten Experten dazu, körperliche Aktivitäten sofort zu beenden, eine Kühlung einzuleiten und Flüssigkeit zuzuführen. In einem kostenlosen E-Book geben die Johanniter Tipps zum Thema Hitzeschutz.
Schlaganfälle nehmen während Hitzewellen zu
(Bild: New Africa/Shutterstock)Besondere Bedeutung haben neurologische Notfälle. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Neurologie erhöhen hohe Temperaturen und insbesondere warme Nächte das Schlaganfallrisiko. Eine deutsche Studie habe gezeigt, dass mit zunehmenden nächtlichen Hitzeereignissen die Zahl hitzebedingter Schlaganfälle deutlich zunimmt. Gleichzeitig steige während Hitzewellen die Sterblichkeit nach Schlaganfällen.
Eine aktuelle Untersuchung beziffert den Anstieg der Schlaganfallmortalität bei Hitze in der Allgemeinbevölkerung auf 13,8 Prozent. Bei älteren Menschen lag der Anstieg sogar bei 16,4 Prozent.
Patienten mit Vorerkrankungen besonders gefährdet
Auch Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören zu den besonders gefährdeten Gruppen. Die Deutsche Hochdruckliga warnt, dass sich bei Hitze die Blutgefäße erweitern und der Blutdruck sinken kann. Das Herz müsse dies durch eine höhere Schlagfrequenz und stärkere Pumparbeit kompensieren. Gleichzeitig führe starkes Schwitzen zu Flüssigkeitsverlust, wodurch das Blut zähflüssiger werde und die Gerinnungsneigung steige. Dadurch erhöhe sich das Risiko für Thrombosen und Schlaganfälle.
Wenn Extremhitze zur Katastrophenschutzlage wird
Anlässlich des Hitzeaktionstags 2026 wurde die Frage aufgeworfen, welche Folgen ein mehrtägiges Extremereignis mit Temperaturen von bis zu 44 Grad Celsius haben könnte. In den diskutierten Szenarien wurden überlastete Rettungsdienste, überfüllte Notaufnahmen und die Evakuierung einzelner Pflegeeinrichtungen beschrieben. Für solche Lagen dürfte Deutschland bislang nicht ausreichend vorbereitet sein.
Ein Bündnis aus Gesundheitsorganisationen, darunter unter anderem die Bundesärztekammer, fordert deshalb die verbindliche Integration von Extremhitze in Krisenvorsorge und Katastrophenschutz, klare Zuständigkeiten auf allen Ebenen sowie die gezielte Stärkung von Gesundheits-, Pflege- und Sozialwesen für Hitzelagen.
Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie unterstützt darüber hinaus die Forderung nach barrierefreien kühlen Notunterkünften sowie hitzeresilienten Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen. Nicht klimatisierte Kliniken, Reha- und Pflegeeinrichtungen erhöhten die Krankheitslast besonders gefährdeter Patienten.
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