Tag des Notrufs: Hilfsorganisationen werben für ihre Anliegen

(Bild: Cineberg/Shutterstock)Ulm (lse) – Der 11. Februar (11.2.) steht europaweit im Zeichen des Notrufs. Die Ziffernfolge 1-1-2 verweist auf die einheitliche Notrufnummer, die in allen Staaten der Europäischen Union gilt. Hilfsorganisationen und medizinische Fachverbände nutzen den Tag auch, um auf ihre Anliegen hinzuweisen.

Die Notrufnummer 112 gilt als eine der zentralen Errungenschaften des europäischen Bevölkerungsschutzes. Sie ist kostenfrei aus dem Festnetz und dem Mobilfunk erreichbar und verbindet Hilfesuchende direkt mit dem Rettungsdienst. Ihren Ursprung hat sie in Deutschland: 1973 ebnete eine Ministerpräsidentenkonferenz auf Initiative von Ute und Siegfried Steiger den Weg für die Einführung von 110 und 112. 1991 folgte der EU-Beschluss zur europaweiten Notrufnummer.

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Schwachstellen im Rettungswesen

Aus Sicht der Björn Steiger Stiftung offenbart der Tag des Notrufs zugleich Schwachstellen im deutschen Rettungswesen. Kritisiert werden vor allem fehlende bundesweit einheitliche Leitstellenstandards, eine unzureichende digitale Vernetzung sowie die Einordnung des Rettungsdienstes als Teil der kommunalen Gefahrenabwehr statt als Bestandteil der medizinischen Versorgung.

(Bild: Tero Vesalainen/Shutterstock)Ein besonderer Fokus liegt auf der Arbeit der Leitstellen. Nach Angaben der Stiftung verfügen nur rund 38 Prozent der Rettungsleitstellen in Deutschland über etablierte Verfahren zur telefonischen Anleitung bei der Wiederbelebung. Internationale Standards sähen dies hingegen flächendeckend vor. Gerade bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand könne eine telefonische Anleitung die Überlebenschancen deutlich erhöhen.

Auch medizinische Fachgesellschaften nutzen den Aktionstag für Aufklärung. Der Deutsche Rat für Wiederbelebung (GRC) und die Sepsis-Stiftung rufen dazu auf, bei ersten Anzeichen lebensbedrohlicher Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall nicht zu zögern und sofort die 112 zu wählen. Lebensrettung beginne bereits im Telefonat mit der Leitstelle, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung der beiden Initiativen. Die schnelle Alarmierung und eine frühzeitige Einbindung der Anrufenden seien entscheidend für den weiteren Verlauf.

DRK und Johanniter sehen Informationsdefizite

Das Deutsche Rote Kreuz als größter rettungsdienstlicher Leistungserbringer begrüßt grundsätzlich, dass die Bundesregierung eine Reform angeht, sieht jedoch erheblichen Nachbesserungsbedarf. Die Einsatzzahlen seien in den vergangenen zwei Jahrzehnten um rund zwei Drittel gestiegen, unter anderem durch eine häufige Nutzung der 112 bei nicht lebensbedrohlichen medizinischen Anliegen. Ursache sei auch ein mangelndes Wissen über alternative Versorgungsangebote wie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Nummer 116 117.

Aus Sicht des DRKs müsse eine Reform bewährte Strukturen stärken und ausreichend finanzieren. Dazu zähle insbesondere die Vorhaltung von Kapazitäten für Großschadenslagen, Extremwetterereignisse oder längere Stromausfälle. Positiv bewertet der Verband die geplante stärkere digitale und telemedizinische Vernetzung sowie eine bessere Patientensteuerung durch die Leitstellen.

(Bild: Marcus Brodt/Johanniter)Ähnlich äußern sich die Johanniter. Sie verweisen anlässlich des 11. Februar auf die wachsende Belastung der Rettungsdienste durch Einsätze, die keinen Notfall darstellen. Eine bessere Erreichbarkeit der 116 117 und eine stärkere Vernetzung der Leitstellen könnten sowohl Hilfesuchende als auch Einsatzkräfte entlasten, erklärten die Johanniter. Zugleich wird der Rettungsdienst als zentraler Bestandteil der medizinischen Gefahrenabwehr und der gesellschaftlichen Resilienz gesehen.

Neben Struktur- und Finanzierungsfragen steht am Tag des Notrufs auch die Bedeutung der Ersten Hilfe im Fokus. Fachverbände und Hilfsorganisationen werben dafür, das Wissen in der Bevölkerung zu stärken – etwa durch regelmäßige Schulungen und eine frühere Ausbildung in Wiederbelebungsmaßnahmen, beispielsweise in Schulen. Der Notruf 112 sei dabei häufig der erste und entscheidende Schritt, um eine funktionierende Rettungskette in Gang zu setzen.

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