Schwere Verletzungen durch Feuerwerk belasten Notfallversorgung

(Bild: Bundeszollverwaltung)Ulm (lse) – Verletzungen durch privates Silvesterfeuerwerk stellen in der Notfallversorgung durch Kliniken und Rettungsdienste jedes Jahr einen relevanten Belastungsfaktor dar. Die Bandbreite der Verletzungsmuster reicht von thermischen Schäden bis zu komplexen Explosions- und Splittertraumen. Schwere und Ausprägung hängen dabei maßgeblich von Art, Handhabung und Herkunft der verwendeten Feuerwerkskörper ab.

In den zurückliegenden Jahreswechseln berichteten Kliniken insbesondere aus Großstädten von einer Zunahme schwerer Verletzungen, die teilweise mit der Detonationswirkung militärischer Sprengstoffe vergleichbar gewesen seien. „Wir erleben in den Notaufnahmen Verletzungsmuster, die weit über das Übliche hinausgehen“, sagt Prof. Dr. Ulrich Stöckle, stellvertretender Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU).

Anzeige

Im Vordergrund stehen Verletzungen der oberen Extremitäten. Hände sind häufig direkt exponiert, wenn Feuerwerkskörper in der Hand gezündet oder zu früh explodieren. Dabei kann es zu offenen Frakturen, Zerreißungen von Sehnen und Weichteilen sowie zu partiellen oder vollständigen Amputationen einzelner Finger oder ganzer Handanteile kommen. Selbst bei optimaler chirurgischer Versorgung sind funktionelle Einschränkungen keine Seltenheit. Ursache sei in vielen Fällen der unsachgemäße Umgang mit handelsüblichem Feuerwerk, insbesondere das Halten von Knallkörpern bis zum Zündzeitpunkt oder der erneute Zündversuch von Blindgängern, teilte der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) mit. „Jedes Jahr zu Silvester erleben wir zahlreiche schwere Handverletzungen, die oft gravierende und dauerhafte Einschränkungen nach sich ziehen“, betont Dr. Adrian Scale, Leiter des Referats Handchirurgie im BVOU.

Hand-, Augen- und Gesichtsverletzungen

Neben Handverletzungen treten Augen- und Gesichtsverletzungen regelmäßig auf. Verirrte Raketen, seitlich austretende Funken oder Splitter können zu Hornhautverletzungen, Bulbusrupturen und dauerhaften Seheinschränkungen bis hin zum vollständigen Sehverlust führen. Auch Innen- und Mittelohr sind durch die hohe Schalldruckentwicklung gefährdet. Akustische Traumata mit bleibenden Hörschäden oder Tinnitus werden insbesondere nach der Explosion von Knallkörpern in unmittelbarer Nähe von den Fachgesellschaften genannt.

Thermische Verletzungen stellen eine weitere relevante Kategorie dar. Verbrennungen entstehen nicht nur durch Explosionen, sondern auch durch Funkenflug und glühende Bestandteile von Raketen oder Wunderkerzen. Sie können Temperaturen von weit über 1.000 Grad Celsius erreichen. Betroffen sind häufig Hände, Gesicht und Hals, bei Kindern auch größere Körperareale.

(Bild: BVOU)In der pädiatrischen Versorgung weisen Fachorganisationen wie „Paulinchen – Initiative für brandverletzte Kinder“ darauf hin, dass solche Verletzungen häufig zu tiefen Hautschäden mit dauerhafter Narbenbildung und langwierigen Behandlungsverläufen führen. „Jedes Jahr kommt es – bereits Wochen vor Silvester – zu teils lebensbedrohlichen Verletzungen”, erklärt in diesem Zusammenhang Dr. Barbara Ludwikowski, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendchirurgie (DGKJCH).

Ein besonderer Risikofaktor sind illegale oder manipulierte Feuerwerkskörper. Diese Produkte verfügen über keine geprüfte Sicherheitskennzeichnung, enthalten häufig größere oder anders zusammengesetzte Explosivladungen und zeigen ein unvorhersehbares Zündverhalten. In der klinischen Praxis resultieren daraus Verletzungsmuster mit massiver Gewebezerstörung, Mehrfachverletzungen und lebensbedrohlichen Blutungen. Auch frei verkäufliches Kleinstfeuerwerk, das häufig als „Kinderfeuerwerk“ beworben wird, kann bei unsachgemäßer Anwendung schwere Verbrennungen und Explosionsverletzungen verursachen. Betroffene sind vielfach wiederum Kinder und Jugendliche.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert