Virtual Reality setzt sich in der Rettungsausbildung durch

(Bild: Klinikum Stuttgart)Ulm (lse) – Virtual-Reality-Anwendungen (VR) gewinnen in der Aus- und Fortbildung von Rettungskräften zunehmend an Bedeutung. Während erste Projekte seit Ende der 2010er-Jahre vor allem technische Möglichkeiten erprobten, rücken inzwischen konkrete Lerneffekte und die Integration in bestehende Ausbildungskonzepte in den Fokus.

Frühe Ansätze zielten vor allem darauf ab, Trainingsumgebungen realistischer und zugleich effizienter zu gestalten. Ein Beispiel ist ein 2022 vorgestelltes Startup aus dem Umfeld der Fachhochschule Wedel, das einen virtuellen Rettungswagen entwickelte. In dieser Umgebung konnten Einsatzkräfte verschiedene Szenarien ortsunabhängig trainieren. Klassische Probleme analoger Übungen – etwa hoher Materialverbrauch, aufwendige Vorbereitung oder begrenzte Realitätsnähe von Übungspuppen – sollten so reduziert werden.

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Die Entwickler hatten damals schon erkannt, dass sich Inhalte in der virtuellen Umgebung schneller und fokussierter vermitteln lassen. Gleichzeitig können verschiedene Einsatzlagen flexibel simuliert werden, ohne dass umfangreiche logistische Vorbereitungen nötig sind.

Komplexe Lagen digital trainieren

(Bild: Rudi Ott/Klinikum Nürnberg)Einen Schritt weiter gehen Projekte wie „D2 PuLs“, das ab 2021 unter Beteiligung des Klinikums Nürnberg entwickelt wurde und 2023 erste Praxistests durchlief. Ziel war es, komplexe Einsatzlagen – etwa einen Massenanfall von Verletzten – digital und sektorenübergreifend abzubilden.

In der Simulation bewegen sich Einsatzkräfte durch ein virtuelles Szenario, versorgen Patienten als Avatare und treffen Entscheidungen unter Zeitdruck. Der Zustand der Patienten verändert sich dynamisch, abhängig von Maßnahmen und Zeitverlauf. Damit nähert sich das System realen Einsatzbedingungen an.

Die Projektbeteiligten erklärten damals, dass ein zentraler im geringeren organisatorischen Aufwand liege. Große Übungen mit Statisten und umfangreicher Logistik lassen sich durch digitale Simulationen teilweise ersetzen oder ergänzen. Zudem können verschiedene Akteure entlang der Rettungskette – vom Ersthelfer bis zur Klinik – gemeinsam trainieren.

Lerneffekte wissenschaftlich untersucht

Neben technischen Entwicklungen rücken mittlerweile zunehmend die didaktischen Effekte in den Blick. Eine Studie der Universität Duisburg-Essen aus den Jahren 2023/2024 zeigt, dass VR insbesondere das theoretische Verständnis verbessern kann. Studierende, die zusätzlich zu einem klassischen Kurs VR-Module nutzten, erzielten in Wissenstests unmittelbar danach und auch nach zwölf Wochen signifikant bessere Ergebnisse.

Allerdings zeigte sich kein Unterschied bei praktischen Fertigkeiten. Die Autoren sehen VR daher als Ergänzung, nicht als Ersatz für praktisches Training. Die immersive Darstellung könne helfen, Abläufe besser zu verstehen und Wissen nachhaltiger zu verankern. Praktische Kompetenzen müssten weiterhin am Modell oder im realen Setting erlernt werden.

Integration in die rettungsdienstliche Ausbildung

Aktuell wird VR zunehmend in bestehende Ausbildungsstrukturen eingebunden. Die Malteser im Rettungsdienst-Bezirk Sachsen beispielsweise setzen seit kurzem VR-Technik in der Ausbildung von Notfallsanitäterinnen und -Sanitätern ein. Der Auftakt erfolgte am 12. März 2026 in der Rettungswache Dresden-Reick, wo Auszubildende erstmals mit der neuen Technologie trainierten. Zum Einsatz kamen zwei VR-Headsets vom Typ Meta Quest 3 in Kombination mit der Simulationssoftware „SimX“ der Firma Laerdal. Unterstützt wird das Projekt durch die Firma „StellDirVor“.

„StellDirVor“ ist neben dem Klinikum Stuttgart auch Partner der DRF Luftrettung bei deren VR-Projekt. Die Luftretter nutzen die Technik, um komplexe, seltene medizinische Szenarien zu üben und Entscheidungsprozesse zu trainieren. Gemeinsam mit den beiden Partnern entwickelt die DRF Luftrettung eine innovative Virtual-Reality-Trainingsumgebung für die Clamshell-Thorakotomie – eine spezielle Eröffnung des Brustkorbs, die in der Notfallmedizin bei traumatischem Kreislaufstillstand eingesetzt wird.

Die aktuellen Beispiele zeigen, dass mittlerweile weniger die Technik selbst im Vordergrund steht als vielmehr der didaktische Mehrwert, den VR bietet.

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