AED-Geräte stärker in den Blick nehmen

(Bild: Sergii Sobolevskyi/Shutterstock)Ulm (lse) – Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland weiterhin die häufigste Todesursache. Bei einem plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand können automatisierte externe Defibrillatoren (AED) die Überlebenschancen erheblich verbessern. Voraussetzung ist allerdings, dass die Geräte schnell erreichbar sind und Ersthelfende wissen, wie sie eingesetzt werden.


Am 1. November beginnen die diesjährigen Herzwochen der Deutschen Herzstiftung. Bis zum 30. November informiert die Stiftung über die Gefahren kardialer Erkrankungen. Wie relevant dieses Thema ist, verdeutlicht die aktuelle Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamtes (Destatis).

Anzeige

Demnach starben 2025 in Deutschland insgesamt 334.100 Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Obwohl die Zahl gegenüber dem Vorjahr um 1,5 Prozent zurückging, blieben sie die häufigste Todesursache.

Im Vergleich zu den Vorjahren zeigt sich ein positiver Trend. Dennoch bleibt die Zahl der Todesfälle hoch. Einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Überlebenschancen bei einem plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand können eine höhere Bereitschaft zur Laienreanimation und die schnelle Verfügbarkeit von Defibrillatoren leisten.

Auswertung präklinischer Reanimationen

Wie wichtig das unmittelbare Handeln nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand ist, zeigen aktuelle Ergebnisse des Deutschen Reanimationsregisters.

Für den Jahresbericht „Cardiac Arrest Center 2025“ wurden 8.245 Behandlungsfälle aus 127 deutschen Kliniken ausgewertet. Davon entfielen 6.537 auf Patientinnen und Patienten, die außerhalb eines Krankenhauses reanimiert und anschließend klinisch weiterversorgt wurden. Weitere 1.708 Menschen wurden innerhalb einer Klinik wiederbelebt.

Von den außerklinisch reanimierten und anschließend stationär aufgenommenen Patienten konnten 32,2 Prozent das Krankenhaus lebend verlassen. Bei 26,0 Prozent wurde zum Zeitpunkt der Entlassung ein gutes neurologisches Ergebnis dokumentiert. Nach innerklinischer Reanimation lagen diese Werte mit 35,5 bzw. 30,1 Prozent etwas höher.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen außerklinischen und innerklinischen Notfällen besteht darin, wie schnell mit der Wiederbelebung begonnen werden kann. Nach den Registerdaten erreicht der Rettungsdienst den Einsatzort bei außerklinischen Notfällen im Durchschnitt nach 7,1 Minuten. Zwischen dem Kollaps eines Patienten und dem Beginn der Reanimation vergehen durchschnittlich 5,6 Minuten. Innerhalb eines Krankenhauses trifft das Notfallteam dagegen im Mittel bereits nach vier Minuten ein. In 80 Prozent der innerklinischen Fälle wurde sogar schon vor dessen Eintreffen mit der Wiederbelebung begonnen.

„Diese Zahlen zeigen, wie entscheidend die ersten Minuten nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand sind“, betont Prof. Dr. Jan-Thorsten Gräsner, Sprecher des Organisationskomitees des Deutschen Reanimationsregisters. Außerhalb einer Klinik komme es deshalb besonders auf die Menschen an, die einen solchen Notfall unmittelbar miterleben. Wer sofort mit der Herzdruckmassage beginne, könne die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrücken und damit die Überlebenschancen verbessern.

AED-Geräte: wichtiger Teil der Rettungskette

(Bild: Bank Jangsawang/Shutterstock)Neben der frühzeitigen Herzdruckmassage spielt die Defibrillation eine wichtige Rolle bei der Wiederbelebung. Automatisierte externe Defibrillatoren (AED) sind dafür konzipiert, auch von Menschen ohne medizinische Ausbildung eingesetzt zu werden. Die Geräte führen Anwenderinnen und Anwender mithilfe von Sprachansagen und Piktogrammen durch die einzelnen Schritte. Ein AED analysiert den Herzrhythmus selbstständig und entscheidet, ob die Abgabe eines Elektroschocks erforderlich ist. Entscheidend ist allerdings, dass die Geräte im Notfall tatsächlich zur Verfügung stehen und ohne größere Verzögerungen eingesetzt werden können. Das heißt: Nicht allein die Zahl der AEDs ist entscheidend, sondern vor allem ihre Erreichbarkeit und Einsatzbereitschaft.

Ein Defibrillator allein reicht nicht aus

Wie sich diese Anforderungen praktisch umsetzen lassen, verdeutlicht eine aktuelle Veröffentlichung des Sicherheitstechnik-Anbieters Almas Industries. Das Unternehmen beschäftigt sich darin insbesondere mit dem Einsatz von AED-Geräten in Betrieben.

Ein Defibrillator, der zwar vorhanden ist, dessen Standort aber niemand kennt, hilft im Ernstfall nur eingeschränkt. Ebenso problematisch sind Geräte, die erst nach mehreren Minuten erreichbar sind oder deren Einsatzbereitschaft nicht regelmäßig kontrolliert wird.

Für ein funktionierendes Notfallmanagement sollten die Beschäftigten wissen, wo sich der nächste AED befindet und wie sie ihn erreichen können.

(Bild: Vin Centius/Shutterstock)Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Bereitschaft, einen AED tatsächlich einzusetzen. Obwohl die Geräte für medizinische Laien entwickelt wurden, können Unsicherheit und Hemmungen wertvolle Zeit kosten. Regelmäßige Erste-Hilfe-Schulungen und Einweisungen sollen deshalb nicht nur Kenntnisse vermitteln, sondern auch die Handlungssicherheit erhöhen.

Hinzu kommt die technische Einsatzbereitschaft. Batterien und Elektroden haben eine begrenzte Lebensdauer. Deshalb müssen die Geräte regelmäßig überprüft und Verbrauchsmaterialien rechtzeitig ausgetauscht werden. Für diese Aufgaben sollten eindeutige Zuständigkeiten bestehen.

Defi League: AED-Standorte spielerisch finden

Eine weitere Herausforderung besteht darin, öffentlich zugängliche AED-Geräte im Notfall schnell zu finden. Denn selbst wenn in der näheren Umgebung ein Defibrillator vorhanden ist, bedeutet das nicht automatisch, dass sein Standort bekannt ist oder das Gerät jederzeit erreicht werden kann.

Hier setzt DEFI League an, ein Projekt der Arbeitsgemeinschaft präklinische Notfallmedizin e. V. Auf Initiative der Leitstelle Ems-Vechte (Niedersachsen) wurde DEFI League in den Landkreisen Emsland und Grafschaft Bentheim im Oktober 2026 gestartet. Ziel ist es, die Übersicht über vorhandene AED-Geräte zu verbessern und die erfassten Informationen laufend zu aktualisieren.

Das Konzept verbindet die Erfassung von Defibrillatorstandorten mit spielerischen Elementen und der Beteiligung der Bevölkerung. Angesprochen sind Menschen ab 16 Jahren, die sich als sogenannte „Scouts“ registrieren können.

Ihre Aufgabe besteht darin, öffentlich zugängliche Defibrillatoren beispielsweise in der Nachbarschaft oder auf dem Schulweg aufzuspüren und über die Internetplattform der DEFI League zu dokumentieren. Dazu werden Fotos der Geräte und die zugehörigen Standortdaten hochgeladen.

Für die Erfassung bislang nicht registrierter AED-Geräte erhalten die Teilnehmenden Punkte. Zusätzlich sollen regelmäßig Sachpreise verlost werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert