(Bild: PanuShot/Shutterstock)Ulm (lse) – Die Bereitschaft zur Reanimation ist in Deutschland groß. Gleichzeitig fühlen sich viele Menschen offenbar nicht sicher genug, wenn sie tatsächlich mit einem Herz-Kreislauf-Stillstand konfrontiert werden. Das zeigt der aktuelle „Monitor Reanimation“ der ADAC Stiftung.
Noch bis Sonntag, 27. September 2026, findet zum 15. Mal seit 2012 die „Woche der Wiederbelebung“ statt. Fachorganisationen der Notfallmedizin wollen mit der Aktionswoche Ängste abbauen und Menschen ermutigen, bei einem plötzlichen Herzstillstand einzugreifen.
Passend dazu hat die ADAC Stiftung Ergebnisse ihres aktuellen „Monitor Reanimation“ veröffentlicht. Grundlage ist eine nach ADAC-Angaben repräsentative Online-Befragung.
Unmittelbar mit der Reanimation beginnen
An grundsätzlicher Hilfsbereitschaft scheint es demnach nicht zu mangeln. Die Befragten sind sich mehrheitlich bewusst, dass sie jederzeit selbst in die Situation kommen können, bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand Erste Hilfe leisten zu müssen. Eine große Mehrheit ist auch dazu bereit. Der Monitor zeigt nach Angaben der ADAC Stiftung jedoch zugleich eine entscheidende Schwachstelle: die fehlende Handlungssicherheit. Viele haben Sorge, einem Betroffenen durch falsche Maßnahmen zusätzlich zu schaden.
Für den Rettungsdienst interessant: Die Aussicht, bei der Reanimation telefonisch von der Rettungsleitstelle angeleitet zu werden, erhöht die erklärte Reanimationsbereitschaft von 64 auf 83 Prozent. Eine solche Telefon-Reanimation wird in Deutschland bislang allerdings noch nicht flächendeckend angeboten.
Interesse an Erste-Hilfe-Kursen nimmt zu
Die Befragung weist zugleich auf eine wachsende Bereitschaft hin, Kenntnisse aufzufrischen. 44 Prozent der Befragten möchten erneut einen Erste-Hilfe-Kurs besuchen. Drei Viertel wollen dies spätestens im kommenden Jahr tun.
Auch eine frühzeitige Vermittlung von Reanimationskenntnissen in der Schule findet breite Zustimmung: 82 Prozent befürworten Reanimation als festen Bestandteil des Unterrichts ab Klasse 7. Mit Hessen, Saarland, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Bayern und Nordrhein-Westfalen haben bislang sechs Bundesländer Wiederbelebung verpflichtend in den Lehrplan der Sekundarstufe I aufgenommen.
Ü60: erhöhtes Risiko, aber geringe Erfahrung
Besonderen Handlungsbedarf lassen die Ergebnisse für Menschen über 60 Jahre erkennen. Die ADAC Stiftung weist darauf hin, dass diese Altersgruppe statistisch besonders gefährdet ist, selbst einen Herz-Kreislauf-Stillstand zu erleiden. Gleichzeitig kommen Menschen über 60 aufgrund ihres persönlichen Umfelds besonders häufig in die Situation, Erste Hilfe leisten zu müssen. Nur 27 Prozent der über 60-Jährigen haben innerhalb der vergangenen zehn Jahre ein Reanimationstraining absolviert.
Ersthelfer-Apps verkürzen therapiefreies Intervall
Einen weiteren Schwerpunkt des „Monitor Reanimation“ bilden App-basierte Ersthelfer-Netzwerke. Nach Eingang eines entsprechenden Notrufs alarmiert die Leitstelle dabei zusätzlich zum regulären Rettungsdienst registrierte Ersthelfende, die sich in unmittelbarer Nähe des Einsatzortes befinden.
Nach Angaben der Betreiber derartiger Systeme erreicht im Durchschnitt nach vier Minuten ein solcher Ersthelfer den Notfallort. Laut ADAC Stiftung ist der Rettungsdienst durchschnittlich nach sieben Minuten vor Ort. Damit ließe sich zumindest statistisch die Zeit bis zum Beginn einer erweiterten Reanimation durch Ersthelfer-Netzwerke nahezu halbieren.
In der Bevölkerung ist das Konzept allerdings noch wenig bekannt. Nicht einmal jeder fünfte Befragte kennt solche Netzwerke. Nachdem den Studienteilnehmenden die Funktionsweise erläutert worden war, gaben 23 Prozent an, dass sie sich wahrscheinlich in ein solches Netzwerk aufnehmen lassen würden. Bundesweit sind nach Angaben der ADAC Stiftung derzeit rund 185.000 Menschen in Ersthelfer-Systemen registriert.
Reanimationsregister: Mehr als jede zweite Wiederbelebung beginnt durch Ersthelfer
Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) begann 2025 mehr als jede zweite Wiederbelebung vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes. In 38,4 Prozent der Fälle unterstützte die Leitstelle die Reanimation telefonisch. First Responder und qualifizierte Ersthelfer waren an mehr als zwölf Prozent der Reanimationen beteiligt und begannen in knapp zehn Prozent der Fälle bereits vor dem Rettungsdienst mit der Wiederbelebung.
(Bild: Sergii Sobolevskyi/Shutterstock)Die DGAI sieht weiteres Potenzial insbesondere bei der telefonischen Reanimationsanleitung und beim Ausbau alarmierter Ersthelfersysteme. Auffällig niedrig bleibt dagegen die frühe Defibrillation: Nur bei rund zwei Prozent der Reanimationsfälle erfolgte 2025 vor Eintreffen des Rettungsdienstes eine Defibrillation durch Ersthelfer mittels AED.