Geringer Frauenanteil unter Einsatzkräften

(Bild: Photoroyalty/Shutterstock)Berlin (DIW) – Der Frauenanteil bei Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr ist meist nicht höher als ein Drittel. Dies geht aus einer aktuellen Studie hervor, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) jetzt vorgestellt hat. Demnach könnten die Zugangsvoraussetzungen und Geschlechterstereotype große Hürden darstellen.

Frauen sind laut der Studie bei Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr weiter deutlich unterrepräsentiert. Die Studienautorinnen und -autoren sprechen von „Erstretterberufen“ und haben ermittelt, dass im Rettungsdienst der Frauenanteil zuletzt bei rund 34 Prozent, bei der Bundespolizei bei etwa 28 Prozent und bei der Landespolizei im Durchschnitt bei 35 Prozent lag. In der Berufsfeuerwehr fällt er mit rund drei Prozent deutlich niedriger aus.

Anzeige

Nach Meinung von Anna Bindler, Leiterin der Abteilung Kriminalität, Arbeit und Ungleichheit im DIW Berlin, deuten die Zahlen „darauf hin, dass die bestehenden Strukturen in den Erstretterberufen offenbar noch nicht ausreichend auf eine Teilhabe von Frauen ausgelegt“ seien. Gemeinsam mit Katharina Wrohlich und Felix Böttger hat sie unter anderem Daten des Deutschen Feuerwehrverbandes und der Bundesagentur für Arbeit ausgewertet.

Großer Unterschied bei Feuerwehr

Bei der Feuerwehr klafft eine große Lücke zwischen dem Anteil von Frauen im Nachwuchsbereich und im Erwachsenenalter: Während der Frauenanteil in der Berufsfeuerwehr (rund drei Prozent) und in der Freiwilligen Feuerwehr (rund elf Prozent) auch im Vergleich zu anderen Erstretterberufen niedrig ist, liegt er in der Jugendfeuerwehr bei gut 30 Prozent.

„Dass deutlich mehr Mädchen in der Jugendfeuerwehr aktiv sind, als später Frauen in der Berufsfeuerwehr, deutet darauf hin, dass es große spezifische Hürden gibt“, sagt Katharina Wrohlich, Leiterin der Forschungsgruppe Gender Economics im DIW Berlin.

Auf der Suche nach möglichen Gründen haben die Studienautorinnen und -autoren unter anderem berufsbezogene Belastungen analysiert. Diese seien bei der Feuerwehr zwar hoch – allerdings im Vergleich zur Polizei und insbesondere zum Rettungsdienst, wo deutlich mehr Frauen arbeiteten, nicht viel höher, heißt es in der Studie. Eine Auswertung der Polizeilichen Kriminalstatistik zeige zudem, dass die Wahrscheinlichkeit, bei der Berufsausübung Opfer einer Straftat zu werden, bei Polizei und sonstigen Rettungskräften deutlich höher sei als bei der Feuerwehr.

(Bild: DIW Berlin)

Arbeitskräftemangel verstärkt Handlungsdruck

Die insgesamt geringe Beteiligung von Frauen in Erstretterberufen lasse sich auf mehrere Faktoren zurückführen, schreibt das DIW Berlin. Neben geschlechterstereotypen Zuschreibungen („typische Männerberufe“) seien es vor allem strukturelle Zugangsvoraussetzungen, die den Einstieg erschwerten. Dazu zählten unter anderem Eignungstests, die teils nicht nach Geschlecht unterschieden, oder Vorgaben, was Ausbildung und Studium betreffe. Voraussetzung für einen Einstieg bei der Berufsfeuerwehr sind etwa je nach konkretem Job eine handwerklich-technische Ausbildung oder ein naturwissenschaftlich-technisches Studium. Schon dort seien die Frauenanteile aber sehr gering, haben die Studienautorinnen und -autoren festgestellt. „Es kommen nach den derzeitigen Regelungen also deutlich weniger Frauen als Männer überhaupt für den Feuerwehrberuf in Frage“, so Bindler. Auch die Ausrüstung, die für Frauen oft wenig komfortabel sei „und teils sogar das Verletzungsrisiko erhöhen“ könne, sei ein Faktor, ergibt die Studie.

Die geringe Beteiligung von Frauen ist nach Meinung des DIW Berlin nicht nur gleichstellungspolitisch relevant, sondern auch mit Blick auf den Arbeitsmarkt. „Der niedrige Frauenanteil birgt ein ungenutztes Potenzial bei der Bewältigung des Arbeits- und Fachkräftemangels in Erstretterberufen“, so Wrohlich.

Um die Potenziale besser zu nutzen, sollten institutionelle Hürden nach Ansicht der Studienautorinnen und -autoren überprüft und, sofern mit den Anforderungen des Berufs vereinbar, angepasst werden, etwa bei Zugangsvoraussetzungen oder Ausbildungswegen. Gleichzeitig komme es darauf an, geschlechterstereotype Zuschreibungen gezielt abzubauen und das Berufsfeld sichtbarer zu machen. Neben Initiativen wie dem Girl‘s Day könnten dabei auch gezielte Informationskampagnen helfen, empfehlen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert